Samstag, 9. August 2014

Die Halbstarken kommen

Im Jahr 2013 initiierte BREKINA die neue Serie "Die Halbstarken". Ein prägender Satz lautet: "Wir sind ... den Weg zurück gegangen und zeigen, wie BREKINA-Modelle aussähen,wenn es sie schon in den Nachkriegsjahren gegeben hätte!"
Den Anfang machen die bekannten VWs T1 in einer Anmutung, wie sie auch von Wiking hätten sein können.

Ganz aktuell hat mir mein Händler ein Besprechungsmuster des Büssing 12000 zur Verfügung gestellt. Anhand der Packung lässt sich unschwer erkennen, dass das Modell ebenfalls in die Serie der Halbstarken gehört.

Auf die Umstände, wie und warum dieses Modell von BREKINA produziert wurde, gehe ich an anderer Stelle noch ein.
Hier will ich das Modell, welches frisch ausgepackt wurde vorstellen.
In der Klarsichtschachtel ruht ein Papp-Podest, welches auf der Stellfläche nochmals mit dem Hinweis auf "Die Halbstarken" bedruckt ist.

Auf der Unterseite findet der geneigte Sammler die Artikelnummer 13903 sowie den Hinweis darauf, dass das Modell kein Kinderspielzeug sondern ein Kleinmodell für erwachsene Sammler darstellt. Der Hinweis "14+" spricht Bände. ;o)

Wenden wir uns nun aber dem Modell zu: Zweifelsohne ein Büssing 12000. Ein massives Fahrerhaus, 3achsig, eine laange Pritsche und Trilexfelgen. Ein Trumm von einem Modell.
Leider wirkt der verwendete Kunststoff spielzeughaft, weil dezent durchscheinend. Dieses Manko fällt besonders bei den Pritschenwänden auf.
Das Messemuster konnte ich hier begutachten und fotografieren.

Erst in der Seitenansicht erkennt man die wahren Ausmaße des Modells. Ein Dino unter den LKWs. Darum ist dem Vorbild auch nur eine Außenseiter-Rolle beschieden. Vom Vorbild hat es nur sehr wenige (36) Exemplare gegeben. 3 Exemplare haben bis heute überlebt.

Im MAN-Werk in Salzgitter ist ein Exemplar mit viel Aufwand restauriert worden. Ob BREKINA an diesem Exemplar Maß genommen hat, kann ich nur spekulieren. Aber beim Vergleich der Vorbildfotos und dem Modell spricht einiges dafür.

Viele feine Gravuren wurden ins Modell umgesetzt. BREKINA hat das Modell als "unverglast" angekündigt. Den Eindruck der fehlenden Verglasung hat man mit einem blau durchgefärbten Fenstereinsatz erreicht.
In einer weiteren Auslieferung wird BREKINA ein Modell in TD (= Top-Decoration) bringen, bei dem umfangreiche Bedruckungen das Modell deutlich mehr betonen.

Auch das Chassis wurde sehr filigran gestaltet. Ein Heckfenster an der Fahrerkabine wurde nicht vergessen. BREKINA weiß, was der Sammler wünscht! ;o)

Bis auf die Silberung der "Büssingspinne" wurde auf weiteren Bedruckungskomfort bewusst verzichtet. Immerhin will man ja zeigen, wie das Modell vor 50 oder 60 Jahren hätte sein können! ;o)
Der kleine Pfeil deutet auf die Schlitze am Fensterholm in die die Spiegel eingesteckt/eingeklebt werden können.

In einem kleinen Tütchen liegen 4 winzige Spiegel bei. Falls mal einer flöten geht oder nach der Montage abbricht/verloren geht. Ein guter Service.

Der Blick auf die Front des Fahrerhauses zeigt die Wuchtigkeit des Vorbilds. Oben an der Stirn wurden sogar die kleinen Zusatzscheinwerfer angedeutet. Vielleicht hätte man den rechteckigen Gravuren an der "Spinne" noch zusätzliche Schlitze verpassen können, handelt es sich doch um Lüftungseinlässe. Die Scheinwerfer so ganz ohne Silberung wirken auch etwas glanzlos.

Kommen wir nun zu den vielen Fragezeichen, die dieses "unverglaste" Modell begleiten.
Seit der ersten Veröffentlichung des Wiking Handmusters des Büssing 12000 im Buch "Wiking-Kleine Autos, große Liebe" auf Seite 53 von U. Biene aus dem Jahr 2009 waren 99% aller Wiking-Sammler vom "Habenwollen-Virus" erfasst. Ich weiß nicht, ob es je ein Sammler geschafft hat, Wiking davon zu überzeugen, dieses Modell zu produzieren?
Seit einiger Zeit ist das Handmuster in der SIKU/Wiking-Modellwelt zu bestaunen. Bei meinem letzten Besuch gab es sogar ein silber lackiertes Handmuster des Büssing 12000. Ob es sich dabei um ein Vorserienmodell einer geplanten Serienfertigung handelt?? Ich würde es sehr begrüßen!
(Leider darf man Fotos, die im Wiking-Museum gemacht wurden nicht im Netz hochladen, sonst könnte ich dem geneigten Blog-Leser die Modelle präsentieren!)
BREKINA war jedenfalls schneller und hat nun dieses Modell in den Handel gebracht. Darüber zu sinnieren, warum die Erstauslieferung unbedingt "unverglast" sein musste, ist müßig.

BREKINA selbst sah sich allerdings veranlasst, den Händlern ein "Erklärungsblatt" über das Warum und die Philosophie dahinter an die Hand zu geben. Das blumige Geschwurbel ist amüsant zu lesen. Da kommen wieder Gedanken hoch, als BREKINA in der Vergangenheit mal erklärt hat, wie der Firmenname Zustande kam. Der interessierte Sammler wird es schon wissen! :o)
Der Vergleich des BREKINA-Modells mit dem Wiking Handmuster zeigt aber eine eigene Formensprache, die nicht annähernd an das Wiking-Modell heranreicht. In der Beziehung kann BREKINA auch nicht aus seiner Haut. Man ist dort einfach darauf getrimmt, dass heutig Machbare dem Sammler zu bieten. BREKINA-Modelle sind meist erstklassige Miniaturen, die für sich selbst sprechen.
Der Rückschritt den BREKINA mit den Halbstarken betreibt empfinde ich als lächerlich und gegenüber dem Mitbewerber unwürdig.
Die Firmengeschichte von BREKINA beginnt nun mal erst Anfang der 80er und nicht schon in den 30er Jahren!


In der Ausgabe 6/2012 der Zeitschrift Historischer Kraftverkehr aus dem Klaus Rabe Verlag widmet der Autor Holger Gräf auf 4 Seiten dem Büssing 12000 und der Restaurationsgeschichte der Mitarbeiter aus Salzgitter. Das Heft ist beim Verlag noch bestellbar.

Der Wiederaufbau des Originals hat fast 5 Jahre gedauert. Es hat sich gelohnt. Vermutlich wird BREKINA auch diese Variante in den Handel bringen? Ganz viele Versionen werden sich von diesem Typ sicher nicht produzieren lassen?

Mit den August-Neuheiten liefert Wiking einen Werkstattwagen Büssing 8000 mit Kran. Was für ein Zufall! ;o)

Das Chassis des BREKINA-Modells ist sehr fein gestaltet und wiederspricht damit dem Credo der Halbstarken.

Betrachtet man dagegen die "Klippsachsen" der Hinterachsen, die auch von Wiking hätten stammen können, kommen wieder leichte Zweifel auf.;o)
Wiking hätte aber den Hinterrädern gewiss andere Trilexfelgen als den Vorderrädern gegönnt und vermutlich auch eher dunkelgraue Reifen aufgezogen!

Die Bodenprägung lässt zumindest keine Zweifel auf den Hersteller zu.

Wer kauft nun so ein Zwitterwesen?
Der BREKINA-Sammler, der keine Lücke in der Sammlung will?
Der kurzsichtige Wiking-Sammler in der Annahme ein Wiking-Modell vor sich zu haben (ist ja schließlich unverglast!)?
Der "ernsthafte" Wikingsammler, weil es das Modell ja eigentlich unbedingt von Wiking geben müsste aber vermutlich nie geben wird?
Der Büssing-Sammler, der einfach alles haben muss was halbwegs nach Büssing aussieht?
Der LKW-Sammler der auch mit Zwittern leben kann?
Der Modellbahner der Modelle benötigt, die zur Märklinbahn der 50er Jahre passen (Unverglast!)?

Ich weiß es nicht, wüsste aber gerne, in welcher Auflage BREKINA das unverglast Modell auf den Markt gebracht hat.
Ich möchte auch nicht, dass jemand behauptet, ich würde das Modell schlecht machen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Miniatur ist den Mannen um Herrn Hartung wohl gelungen. In Top-Decoration wird es sicherlich ein Knaller sein.
Aber in der jetzt ausgelieferten "Sparversion" fühle ich mich als BREKINA- und Wiking-Sammler verarscht!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Guten Tag, Martin,
die Sache ist ganz einfach:
Jeder kann und keiner muss!
Der Alte Fritz sagte es schon:
Jeder soll nach seiner Fasson selig werden.
Brekina hat viel Geld für die Entwicklung investiert und testet nun den Markt für solche Dinge -da war doch schon mal IMU näher dran und ist doch verblüht.
Schöne Zeit wünscht
Botho

Martin hat gesagt…

Guten Morgen Botho,
mir ist schon klar dass jeder nach seiner Facon selig werden kann. Ich wollte das Modell beschreiben ( es ist in der Tat gut geworden) und meine Meinung dazu äußern. Mehr nicht. Die Firma IMU wäre mir dazu im Leben nicht eingefallen!!
Vielleicht noch ein BREKINA-Zitat dazu: "Der Name "Die Halbstarken" ist ein typischer Begriff der 50er Jahre.... Im Namen versteckt sich aber auch Halb-Null (1:87) und die nur halb starke Dekoration."
Achtung, jetzt kommt meine Meinung: Oder auch nur "halb durchdacht? halbfertig? halbherzig?
Mir ist immer noch nicht klar, trotz Erklärung, was der Unfug soll?? Ein Modell in TD gerne, aber so ein Wiking-Verschnitt, nee Danke!
Jeder kann, keiner muss. Ich muss nicht!
Gruß
Martin

Anonym hat gesagt…

Besser hätte man es nicht beschreiben können, bin ganz Deiner Meinung
Gruß
Ebby

Wolfgang Renschler hat gesagt…

Hallo Martin,

Also ... ich gebe Dir in Deinen Ausführungen absolut recht.

Aber das von Dir mit Fotos in Szene gesetzte Modell hat doch was. Also ich werde einen Umbauversuch starten.
Weiße Stoßstange ändern, Wiking Räder aus der Wiking Räder Packung.Vielleicht Britschentausch mit Wiking 3-Achser Mercedes oder Magirus.

Liebe Grüße

Wolfgang

Martin hat gesagt…

Hallo Wolfgang,
der Aufwand lohnt nicht, dann würde ich eher 5 Euro mehr investieren und auf das Modell in TD warten. Zumal ich jetzt gelesen habe, dass das Fahrerhaus und die Pritsche geklebt sind und nicht ohne weiteres auseinander zu bekommen sind. Ausserdem bleibt dann immer noch die blaue Verglasung.
Die Wikingräder wären vermutlich auch zu klein.
Aber falls Du Dich doch dran wagst, zeige mal Bilder vom Umbau.
Beste Grüße
Martin

Gunter hat gesagt…

Noch eine kleine Ergänzung. Vorbild für das Brekina-Modell war der Büssing 12000 U 13 der Firma Steine & Erden aus Goslar (s. Brekina-Autoheft und Oswald). Er stammt aus der ersten Baureihe (erkennbar an der großen eckigen Kabine). In die Serie fällt auch der DB-Büssing aus Salzgitter (am 07.09. steht er auf dem Oldtimerfest). Das Wiking-Modell im Museum hat sein Vorbild in der letzten Baureihe. Die Story dazu stand mal in der MAZ 2013. Da aber jetzt ein silbernes 3-D-Modell in Lüdenscheid steht, hält sich das Gerücht, dass auch Wiking einen Büssing 12000 U 13 als Modell im angenäherten H0-Maßstab bringen wird.

Martin hat gesagt…

Hallo Gunter,
besten Dank für Deine Ergänzung zum Vorbild.
Ich hätte das Wiking-Vorbild für eine frühere Variante gehalten, weil es insgesamt runder wirkt.
Das Wiking- und das Brekinamodell lassen sich definitiv nicht vergleichen. Ist wohl auch von Brekina so beabsichtigt, vermute ich mal!?
Das der Silberling ausgerechnet nach der Spielwarenmesse und der Präsentation des Brekina-Modells im Museum steht, leistet den Spekulationen natürlich Vorschub.
Ich weiß nicht, ob Du das Modell im Museum gesehen hast, es wirkt tatsächlich wie ein Modell, welches erst kürzlich entstanden ist.
Wenn Du Bilder möchtest, mail mich an.
Gruß
Martin

Insulaner hat gesagt…

Neben dem schon thematisierten billig anmutenden Kunststoff stört mich an dem Modell persönlich die viel zu niedrige Pritsche. Sie passt nicht zu dem ansonsten riesigen und wuchtigen Fahrzeug. Sowohl das in Salzgitter wiederaufgebaute Fahrzeug als auch die auf alten Fotos im Netz dokumentierten Originalfahrzeuge besitzen anscheinend fast doppelt so hohe Bordwände.

Gerade das Fahrzeug von "Steine und Erden" Goslar dürfte solche besessen haben, da sich solche Güter sonst nur wenig optimal transportieren lassen. Auch ein Planengestell würde dabei nur wenig helfen.

Danke für den informativen Bericht!

Christian
- Insulaner -

Gunter hat gesagt…

Hallo,
noch eine Ergänzung: Gegenwärtig gibt es über Conrad Electronic ein TD-Modell des Büssing 12000. Das Modell unterscheidet sich optisch deutlich vom "Halbstarken". Es ist lackiert (Kabine und Pritsche blau, Fahrgestell und Felgen rot, verglastes RFahrerhaus und viele Aufdrucke. besonders beachtenswert: Die Büssing-Spinne auf der Front mit mehrfarbigem lupenreinem Büssing-Loge und Schriftzug. Zwischen den beiden Modellen liegen (optisch) Welten.

Gern hätte ich die Fotos: Gunter.Waize@onlinehome.de